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Artikel Der letzte römische Kaiser als weise Witzfigur im Kunstverein Neuenhaus
Der letzte römische Kaiser als weise Witzfigur im Kunstverein Neuenhaus PDF Drucken

Neuenhaus, den 3./4.6.16 Die schauspielerischen Nachwuchstalente des LMG Neuenhaus, Meitners Bühnenfreu(n)de, haben sich unter der Leitung von Christiane Hahn mit viel Spielfreude eines Stücks angenommen, das sich mit dem Ende des Römischen Reiches im Westen befasst – ein unbestreitbar welthistorisch bedeutsames Ereignis. Friedrich Dürrenmatt schrieb dazu kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine Komödie unter dem Namen „Romulus der Große“, die es zwar mit der geschichtlichen Realität nicht immer so genau nimmt, aus der aber eine ganze Menge an philosophischer Einsicht spricht. Bei den Aufführungen am letzten Freitag und Samstag fungierte der Garten des Kunstvereins Neuenhaus erstmals als gefällige Theaterbühne:

Schicksalsergeben und seelenruhig sieht der letzte römische Kaiser Romulus Augustus (gespielt von Tanja Gövert) dem Untergang seines Weltreiches entgegen. Dass sich vor seinen Toren die Germanen unter ihrem Führer Odoaker anschicken, ihm seine Krone abzunehmen, kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Er interessiert sich in erster Linie für sein gepflegtes „Morgenessen“ und seinen Hühnerhof. Seine Zuchtobjekte sind nach berühmten Kaisern und Feldherren benannt, täglich lässt er sich berichten, welche Hennen die meisten Eier gelegt haben. Die Staatskasse ist leer, seinen Favoriten spendiert er die letzten goldenen Blätter aus seiner Lorbeerkrone.

 


 Den Präfekten Spurius Titus Mamma (Michelle Freigang), der nun mit der Hiobsbotschaft des drohenden militärischen Untergangs an ihn herantritt, schickt er weg: Er solle sich erstmal richtig ausschlafen und frischmachen. Als das Ausmaß der Bedrohung dann schließlich doch zu seinen Ohren dringt und sogar der oströmische Kaiser Zeno (Lena ten Brink/Svenja Stolz) aus Konstantinopel vor den heranstürmenden Germanen bei ihm Unterschlupf sucht, bietet sich, etwas abseits von der historischen Überlieferung, der amerikanische Hosenfabrikant Cäsar Rupf (Hanna Genzink) an, dem Reich noch einmal eine lebensrettende Geldspritze zu geben, wenn er nur die Kaisertochter Rea (Miriam Voshaar) zur Frau bekäme. Ämilian (Lennart Hahn), dem Rea eigentlich schon längst versprochen ist, befiehlt der ihm Anverlobten, sich jenem Rupf zu ergeben, um das Reich zu retten, auch die Kaiserin (Sina Pötter) erteilt ihren Segen, doch Romulus Augustulus stellt sich quer.

 

Und als Odoaker (Matilda Finsterbusch) tatsächlich auf der Bühne erscheint, wird klar, was im Kopf des letzten Kaisers vorgeht: Er will das Ende Roms, hält dessen Mission für gescheitert, statt Zivilisation habe man der Welt nur Tyrannei und Leibeigenschaft gebracht. Vergeblich bittet Odoaker ihn händeringend, doch an Macht und Reichsidee festzuhalten, schon spürt er sein eigenes finsteres Schicksal, einst seinerseits von seinem Konkurrenten Theoderich (Lennart Hahn) beseitigt zu werden. Da ahnen auch die kaiserlichen Kammerdiener (Caroline und Julius Hahn) schon, dass diese Morgendämmerung einer neuen Zeit eher auf ein dunkles Mittelalter hinauslaufen wird.

 

Dürrenmatt ist es mit seiner Komödie gelungen, seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten: Die Andeutung der brutalen Gewalt, mit denen die Germanen in der nachrömischen Zeit mit ihrem brutalen Vandalismus für einen gewaltigen zivilisatorischen Rückschritt sorgen werden, verweist nicht zuletzt auch auf das gerade untergegangene Hitler-Reich. Doch sorgt die heitere Leichtigkeit des Stücks dafür, dass diese Lehre keine allzu bittere Pille ist.  

Die außerordentlich gelungene Kostümierung mit wallenden Togen bzw. altgermanischen Lederhosen, in liebevoller Handarbeit erstellt von Christiane Hahn und von allen Akteuren mit würdevoller Anmut getragen, und so manch andere originelle Inszenierungsidee taten das Ihrige, um den gefälligen, komödiantischen Charakter dieses Stücks ganz im Vordergrund stehen zu lassen. Die jeweils etwa 50 Zuschauer waren entsprechend beeindruckt, und auch der Wettergott zeigte sich angesichts der guten schauspielerischen Leistungen gnädig: Er hielt sich bei beiden Vorstellungen im Freien mit Regen und Gewitter zurück. (pfe)

 

Zu dieser Theateraufführung gibt es eine Bildergalerie. Folgender Link führt zu dieser Bildergalerie. Unter dem Menü "Bilder"->"2016" findet man sie auch.