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Presse, Elternbriefe
GN, 24.12.2014 PDF Drucken

Austausch: In Japan wie Popstars begrüßt  

 

Die sechs Austauschschülerinnen aus Neuenhaus probierten auch Kimonos in Japan an. Das sind traditionelle Kleidungsstücke.


 

Sechs Schülerinnen des Lise-Meitner Gymnasiums in Neuenhaus haben an einem Japan-Austausch teilgenommen. In einer neuen GN-Serie berichten sie über ihre Erlebnisse.

 

Von Larissa Rehbock 

 

„Konnichiwa Japan“ hieß es Mitte November für sechs Schülerinnen des Lise-Meitner-Gymnasiums in Neuenhaus. Für zehn Tage sind sie in das rund 9132 Kilometer entfernte Tokushima aufgebrochen, um Land, Leute und Kultur kennenzulernen. Bereits im Juli begrüßten die Jugendlichen und Lehrer des Gymnasiums ihre japanischen Austauschpartner in der Grafschaft Bentheim und zeigten ihnen ihr Zuhause. In einer Serie von Berichten werden die Mädels und ihre Mitschüler des Seminarfachs Japan unter anderem über das japanische Schulsystem, die Mode, den Tagesablauf oder das Weihnachtsfest in Japan schreiben. GN-Szene hat schon einmal mit den Sechs über ihre ersten Eindrücke in dem fremden Land gesprochen.

„Die Menschen haben gekreischt und gewunken, als sie uns gesehen haben“, beschreibt die 19-jährige Lea Knoop eines der Ereignisse auf dem asiatischen Kontinent, das ihr wohl lange in Erinnerung bleiben wird. Die Japaner haben die Deutschen wie kleine Popstars empfangen: Die ganze Schule wartete in der Turnhalle auf den Besuch aus Europa, begrüßte die Neuenhauser mit einem großen Applaus und der Hymne der Schule. „Dann kamen unsere Austauschschüler und haben uns ganz herzlich umarmt“, erinnert sich Katharina Egbers und wirkt immer noch sehr beeindruckt. Doch nicht nur die sechs Mädchen aus Neuenhaus waren fasziniert von den Asiaten. Das Interesse der Schüler der Johoku Highschool war nicht zu übersehen, alle wollten ein Erinnerungsfoto. „Ich habe noch nie so viele Bilder gemacht“, sagt Katharina.

Beheizte Toilettendeckel

Die überwältigenden Impressionen gingen auch in dem neuen Zuhause weiter: „Viele Häuser dort sind zwar klein und eng – so auch die meisten, in denen wir gewohnt haben – aber einfach nur mega hübsch“, schwärmt die 17-jährige Madlien Mers. Sympathisch fanden die Grafschafter auch die sehr weichen Teppiche und die kleinen Nischen am Eingang für die Schuhe. Eines werden die Teenager besonders vermissen: die beheizten Toilettendeckel. „Die waren unglaublich. Einige Deckel waren sogar mit Stoff beklebt“, meint Imke Klemp. Typisch japanisch war auch das Willkommensessen – „Außer bei mir, wir sind in ein italienisches Restaurant gegangen“, erzählt Lea grinsend. Bei den anderen gab es Sushi, Reis oder einen Eintopf. „Da fing das Problem mit den Stäbchen an“, meint Katharina. „Die Gastfamilien haben sich viel Zeit genommen und uns alles erklärt.“ Erklärt heißt in diesem Fall der Versuch, sich mit Händen und Füßen zu verständigen, denn Gastmutter und -vater konnten weder Deutsch noch Englisch. So wurde das Handy als Übersetzer benutzt oder stichwortartig beschrieben, was man sagen will. „Meistens hat man verstanden, was der andere wollte, es hat alles nur etwas länger gedauert“, beschreibt Lea. „Nach einiger Zeit habe ich auch einfach mal aufgegeben“, sagt Imke lachend.

Nach dem Unterricht putzen die Schüler die Schule

Das Schulleben sorgte bei den Neuenhauser weniger für Freudenschreie als vielmehr für große Irritation: Hausaufgaben werden in einer Extrarunde am Morgen gemacht, die Lehrer und der Schulleiter begrüßen jeden einzelnen Schüler beim Betreten des Schulgeländes und nach dem Unterricht putzen alle die gesamte Schule – jeden Tag, erklärt Madlien und schmunzelt: „Sauber war es danach trotzdem nicht.“ Lea durfte in die freiwillige Abend- und Wochenendschule hineinschnuppern: „Damit wollen sie ihre Noten verbessern, aber bis knapp 23 Uhr in der Schule zu sitzen, fand ich gar nicht lustig.“ Ein solches Schulsystem können sich die Grafschafter in Deutschland nicht vorstellen. Nach Unterrichtsschluss um 15 Uhr bleiben die Schüler noch einige Stunden für Sport-, Kunst- oder Musikaktivitäten in der Bildungsstätte: „Mir wäre das zu anstrengend. Ich brauche meine eigene Freizeit. Mir sind meine Familie und meine Freunde wichtiger“, sagt Lea offen. Nicht selten habe man die Schüler im Unterricht schlafen gesehen. Katharina hat eine Vermutung: „Ich habe das Gefühl, viele Japaner brauchen gute Noten für die Eltern. Meine Austauschschülerin zum Beispiel hätte nicht nach Deutschland kommen dürfen, hätte sie keine guten Noten geschrieben.“

In der gemeinsamen freien Zeit der Japaner und Deutschen stellte sich eines schnell heraus. Katharina: „Ich habe erwartet, dass die Jugendlichen in unserem Alter irgendwie anders sind, doch sie sind eigentlich wie wir.“ Auch auf dem asiatischen Kontinent gehen die Mädels gerne shoppen, brezeln sich auf oder gehen am Abend mit Freunden etwas essen – die Grafschafter schwärmen immer noch von den Nudeln und dem Sushi. „Sie sind nur etwas kindischer“, meint Katharina und beschreibt die pinken Wände, Kuscheltiere und die zahlreichen Mangas in den Jugendzimmern. In Kontakt bleiben wollen die Jugendlichen auch nach ihren Besuchen: „Wir sind alle über ‚Line‘, eine Kombination aus Facebook und Whatsapp, vernetzt“, erklärt Imke.